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Maulwurf im Garten - Bereicherung statt Ärgernis

  • 23. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit
Wie durch Umdenken ein harmonisches Miteinander möglich ist

Maulwurfshügel © Anja Fischer
Maulwurfshügel © Anja Fischer

Sobald es wärmer wird, kommt auch der Maulwurf wieder an die Oberfläche. Im Handumdrehen wird der sorgsam getrimmte Rasen zur Hügellandschaft. Das ärgert viele Gärtner*innen, denn die Maulwurfshügel stören beim Rasenmähen und “verunstalten” das gepflegte Erscheinungsbild.

Ergo, die Hügel müssen weg! Einfach planieren und festtreten bewirkt jedoch genau das Gegenteil. Der Maulwurf baut neue Gänge und in kürzester Zeit sind neue Hügel da. Das sorgt für wachsenden Unmut.

Aussagen wie „Er kann doch hinter meinem Garten buddeln, da stört es keinen.“

verdeutlichen die tief verankerte, anthropozentrische Sichtweise, in der Natur nur geduldet wird, solange sie nicht stört.


Schonende Umlenkung

Eine schnelle “Lösung des Problems” gibt es oft nicht, denn der Maulwurf zählt zu den besonders geschützten Arten und darf nicht gefangen oder gar getötet werden. Lediglich sanftes (!) Vertreiben oder Abschrecken sind erlaubt.


Duftpflanzen, wie die Kaiserkrone oder auch Knoblauch, können helfen, den Maulwurf fernzuhalten. Auch Bewegung auf der Fläche, wie etwa spielende Kinder, mag der Maulwurf nicht. Ebenso kann eine in den Hügel gesteckte Eisenstange mit einer darauf gestülpten Blechdose Abhilfe schaffen. Das Klappern der Dose hallt in den Gängen wider und stört den fleißigen Tunnelgräber, der sich dann in Nachbars Garten niederlässt.


Wie wäre es aber mit einer Lösung, die alle glücklich macht?


Miteinander statt Konfrontation

Anstatt sich darüber zu ärgern, dass die Natur sich nicht an Gartengrenzen hält, hilft es, den Blickwinkel zu verändern. Durch Akzeptanz der selbstbestimmten Lebenswelt – von der wir alle abhängig sind – kann ein harmonisches Miteinander von Mensch und Natur ermöglicht werden.

Wer der Natur ihren Raum lässt und diese bewusst wahrnimmt, wird auch die ihr inne liegende Schönheit entdecken. So stehen die zunächst unansehnlichen Maulwurfshügel für ein größtenteils verborgenes Leben, direkt unter unseren Füßen.


Viel mehr als der “blinde Maulwurf”

Das Bildnis des “blinden Maulwurfs” kennen vermutlich viele. Doch trotz seines schlechten Sehvermögens steckt viel mehr ihn ihm, als sich zunächst vermuten lässt:

Der kleine Grabekünstler legt komplexe Tunnelsysteme mit Schlaf-, Nest- und Vorratskammern an. Die allseits bekannten Hügel sind der Aushub seiner Gänge und dienen gleichzeitig als Belüftungsschächte.


Der Maulwurf ist ein präziser Jäger, der u. a. fleißig Insektenlarven, Schnecken und Würmer vertilgt. Sobald ein Beutetier in seinen Gang gelangt, ist er zur Stelle. Dabei verlässt er sich auf seine empfindliche Nase und sein außerordentliches Hörvermögen. Wurzeln von Pflanzen interessieren ihn hingegen nicht. Seine Anwesenheit im Untergrund des Gartens beugt sogar Fraßschäden durch Wühlmäuse vor.  Als Einzelgänger duldet er weder seinesgleichen noch andere Tunnelgräber und vertreibt diese aus seinem Reich. Durch seine Grabetätigkeit wird zudem der Boden gelockert und die Bodenqualität verbessert.


Wer also das nächste Mal einen der Hügel sieht, nimmt vielleicht auch den Wert dieses “Ärgernisses” wahr.  Die nährstoffreiche Erde – vorsichtig abgetragen – eignet sich nicht nur für die Nutzung in Beeten. Zugleich bieten Maulwurfshügel auch die Chance, jeden Rasen artenreicher zu gestalten.


Hügel als blühende Inseln


"Blühende Insel" © Fabian Kruse
"Blühende Insel" © Fabian Kruse

Wieso also nicht, als Experiment, eine Mini-Blühwiese im Maulwurfshügel anlegen?


Dazu das Saatgut heimischer Wildblumen auf möglichst alte Hügel streuen und leicht andrücken. Fertig!


Nun heißt es Geduld, denn den Rest erledigt die Natur von selbst. Nach etwa 2 bis 6 Wochen sollten die ersten Pflanzen blühen. Die Blüten sind dann nicht nur für uns schön anzusehen, sondern stellen auch für viele Insekten eine wertvolle Nahrungsquelle dar. So kann auch ein monotoner Rasen mit kleinen blühenden Inseln die Artenvielfalt fördern.


Noch besser sind “wilde Ecken”, die einfach in Ruhe gelassen werden und so Gräser und Wildpflanzen zur Blüte kommen lassen. Ganz nach dem Motto von ArtenReich:

Weg von gezähmten Gärten, hin zu lebendigen Oasen!


Hannah Dietterle für ArtenReich

Weitere Gartentipps findet ihr hier.

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