Die Zauneidechse
- 19. Aug.
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Die Zauneidechse finden wir am häufigsten an Randstrukturen von verschiedenen Lebensräumen. Sie ist nicht nur an Waldrändern und (Binnen-) Dünen auffindbar, sondern kommt auch auf stark anthropogenen Landschaften, wie Hecken, Heiden, lichten Wäldern und Bahndämmen, vor [1].
All diese Lebensräume zeichnen sich durch eine ähnliche Struktur aus [2]. Als Ideallebensraum der Zauneidechse gelten gemeinhin gut strukturierte Flächen mit vereinzelt stehenden Gehölzen (Büsche), Totholz, eingestreuten vegetationsfreien oder -armen Flächen und dichter Krautschicht, allgemein auch Randbiotope, die gut drainiert und relativ vegetationsarm sind [3].

Für die Lebensweise der Zauneidechse sind grabbarer Boden sowie eine passende Vegetationsstruktur und -höhe (Deckungsgrad 60-90 %) wichtiger als die Exposition des Geländes [4]. Gleichwohl zeigen südlich exponierte Hänge, wie etwa Bahnböschungen, erfahrungsgemäß eine stärkere Zauneidechsendichte.

Von zentraler Bedeutung sind Plätze zum Sonnenbaden, die bei Feindannäherung umgehenden Anschluss an uneindringbare Versteckstrukturen bieten. Zauneidechsen sonnen sich besonders gerne „vor einer hohen Vegetations- oder Reliefkulisse“ [5].
Sonnenplätze müssen vor allem rasch abtrocknen, sich schnell erwärmen, hinreichend gegen den kalten Untergrund isolieren, Wärme lange speichern und einen guten Einfallswinkel des Sonnenlichts bei kleinräumiger Ausrichtung des Eidechsenkörpers bieten [6].

Vor allem hölzerne Substrate, wie liegendes Totholz, Stubben und Zaunpfähle, besitzen solche Eigenschaften und werden daher überproportional häufig frequentiert [7]. Allerdings wird nicht selten (bei anhaltend günstigen Witterungsbedingungen) selbst auch ein Steinhaufen oder Betonbruch zum Sonnenbaden verwendet. Bei zu heißem Wetter kommt es vor, dass Zauneidechsen das gezielte Aufwärmen meiden und eher kühle Substrate aufsuchen.

Ideale Biotoptypen bieten vor allem Heidekraut (Calluna vulgaris; zumal alte, vermooste und verbuschte Heidesträucher) [8] und Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos). Land-Reitgras neigt jedoch zur Wucherung, wodurch es zwar zunächst habitatverbessernd wirkt, späterhin aber ungeeignet für Zauneidechsen werden kann [9]. Darüber hinaus bieten auf mageren Sandböden auch Brombeere, (junge) Kiefer und Birke geeignete Strukturen und Deckung. Niedrige, ausreichend und tief beastete Bäume und Sträucher, namentlich Ginster (Genista sp.), Besenginster (Sarothamnus scoparius), Wildrosen (Rosa canina u. a.), Wacholder (Juniperus communis) und junge Nadelbäume, werden häufig erklommen [10].
Aussehen
Im Vergleich zu anderen heimischen Eidechsen zeichnen sich Zauneidechsen durch einen gedrungenen, kräftigen Habitus (Stiernacken) und relativ kurzen Beinen aus. Ein Drittel bis zur Hälfte der Gesamtkörperlänge nimmt der Schwanz ein. Dieser verjüngt sich nach hinten langsam.
Männchen haben eine deutlich verdickte Schwanzwurzel. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt maximal 96,2 mm, die Gesamtlänge (Schnauzen- bis Schwanzspitze) maximal 240 mm. Das Gewicht liegt durchschnittlich bei 18,6 g [11].

Auf dem Rücken mit meist bräunlicher Grundfarbe laufen drei weiße Linienreihen, die oft in Einzelelemente aufgelöst und mitunter von weiteren Punkt- oder Strichelementen flankiert werden. Diese verlaufen zwischen den beigen „Parietalbändern“ (also den dünnen weißen Linien, die das Rückenband seitlich abgrenzen).
Als Occipitallinie wird dagegen die direkt auf der Rückenmitte verlaufende weißliche Linie bezeichnet [12]. Die weißen Zeichnungselemente werden für gewöhnlich von dunklen Umrahmungen (Dorsalflecken) umschlossen (die sog. Augenflecken) [13].
Alle Zeichnungselemente der Zauneidechse sind individuell verschieden. Es können Farbvariationen vorkommen, bei denen das Tier einfarbig grün, braun oder schwarz ist. Exemplare, die sich durch ein kupferrotes Band auf der gesamten Oberseite auszeichnen, werden als erythronotus Variante bezeichnet.


Jungtiere sind oberseits bräunlich und unterseits eher beige. Im Gegensatz zu jungen Waldeidechsen wirken sie insgesamt heller und gleichmäßiger pigmentiert. Im Jungalter scheinen im direkten Vergleich mit Waldeidechsen die Augenflecken bereits tendenziell deutlicher hervor.

Lebenszyklus
Gut grabbarer Untergrund ist für das Fortbestehen einer Zauneidechsenpopulation essenziell. Die grabbare Bodentiefe sollte möglichst 30 bis 50 cm betragen, wobei bis zu 70 cm als Optimum gelten. Gelegetiefen schwanken allerdings bei lediglich 4 bis 10 cm im Durchschnitt [14].
Ideale Eiablageplätze befinden sich oft auf süd- bis südwestexponierten sandigen Böden, die auch mit etwas Vegetation bedeckt sein können [15]. Die meisten Gelege sind weniger als 40 cm vom Beginn offener Sandflächen entfernt [16]. Für die Eiablage ist „lockeres, warmes, aber nur mäßig feuchtes Substrat“ von ausgesprochen hoher Bedeutung [17].

In Norddeutschland kann die für die Eiablage benötigte Mindestgröße der Sandflächen sogar nur die Größe eines Maulwurfhügels betragen. Durchschnittlich sind Flächengrößen der Eiablageplätze von 2,9 bis 17,2 m² typisch [18]. Bisweilen wird sogar eine alte Sandkiste als „Masseneiablageplatz“ von mehreren Zauneidechsen-Weibchen benutzt [19]. Schlupferfolge sind an Witterungsbedingungen geknüpft, aber auch Beschattung spielt eine Rolle.
Gelege benötigen eine Inkubationszeit von 1,5 bis 3 Monaten [20]. Als mittlere Schlupfrate bei optimalen (störungsfreien) Bedingungen gilt 88 % [21]. Anhaltende, starke Trockenheit oder kühle, verregnete Sommer können zu relativ hohen Gelegeverlusten führen [22].

Weibliche Zauneidechsen können bereits nach einem Jahr Eier legen, einzelne Tiere innerhalb von 6 Jahren sogar bis zu 12 Gelege setzen [23]. Als frühester Eiablagetermin wird der 10. Mai angegeben [24]. Anfang bis Mitte (selten auch bis Ende) Juli kommen die ersten Schlüpflinge hervor, wobei die Hauptschlupfphase erst gegen Ende Juli bis in den August und sogar frühen September (selten Oktober) hinein erfolgt [25].
Gefährdung und Schutzmaßnahmen
Schutzmaßnahmen werden seit wenigen Jahrzehnten durchgeführt, da die Bestände der Zauneidechse innerhalb Deutschlands seit Jahrzehnten zurückgehen. „Die Bestände der Zauneidechse sind rückläufig, die Art ist schutzbedürftig, aber gleichzeitig nicht zu selten“, so Ina Blanke [26]. Noch 1938 nannte dagegen der Zoologe Ludwig Zukowsky die Zauneidechse als ein Reptil, das „in keinem Gebiet unserer Heimat“ fehlen würde [27].
Seitdem hat sich die Ausräumung und Versiegelung der Landschaft deutlich intensiviert. Gerade die für Zauneidechsen so wichtigen Grenzbiotope gingen dadurch weitestgehend verloren. Schutzmaßnahmen für die Zauneidechse sind Symptome der allgemein abnehmenden Landschaftsstruktur. Auf die Zauneidechse gefährdend wirkt schlichtweg die Vernichtung auch der letzten Ruderalflur [28]. Wird ein Zauneidechsen-Habitat Teil von gebietsverändernden Baumaßnahmen, sind Umsiedlungen erforderlich, um den Rückgang der Art nicht noch zu beschleunigen.

Die Zauneidechse spielt als Indikator- und Leitart eine wichtige Rolle im deutschen Naturschutz von heute [29]. Vereinfacht gesagt: Fehlt es der Landschaft an struktureller Vielfalt, Habitatverbund und selten gewordenen Lebensräumen, geht es nicht nur der Zauneidechse schlecht, sondern auch zahlreichen anderen Arten.
Tristan Kallweit für ArtenReich
Quellen
[1] Ina Blanke (2010): Die Zauneidechse. Bielefeld: Laurenti, S. 50.
[2] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 50-60; Paul M. Kornacker (1993): Populationsökologische Untersuchungen an einer Bahndamm-Population von Lacerta vivipara im Rheinland. Salamandra 29(2): 97-118.
[3] Dieter Glandt (1979): Beitrag zur Habitat-Ökologie von Zauneidechse (Lacerta agilis) und Waldeidechse (Lacerta vivipara) im nordwestdeutschen Tiefland, nebst Hinweisen zur Sicherung von Zauneidechsen-Beständen. Salamandra 15(1): 13-30.
[4] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 53.
[5] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 53.
[6] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 53-54.
[7] S. Meister (2008): Populationsökologie und Verbreitung der Zauneidechse (Lacerta agilis Linnaeus 1758) im Stadtgebiet von Bonn. Diplomarbeit, Universität Bonn.
[8] S. M. House & I. F. Spellerberg (1983): Ecology and conservation of the sand lizards (Lacerta agilis L.) habitat in southern England. Journal of Applied Ecology 20: 417-437; S. Dent & I. F. Spellerberg (1987): Habitats of the Lizards Lacerta agilis and Lacerta vivipara on Forest Ride Verges in Britain. Biological Conservation 42: 273-286.
[9] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 59.
[10] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 60.
[11] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 13.
[12] B. Thiesmeier et al. (2020): Farb- und Zeichnungsvarianten der Zauneidechse in Deutschland. Feldherpetologisches Magazin 14: 3-21.
[13] B. Thiesmeier et al. (2020): Farb- und Zeichnungsvarianten der Zauneidechse.
[14] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 98.
[15] Vgl. Stefan Kolling, Sigrid Lenz & Günter Hahn (2008): Die Zauneidechse – eine verbreitete Art mit hohem planerischem Gewicht. Naturschutz und Landschaftsplanung 40(1): 9-14.
[16] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 98.
[17] Dieter Glandt (1979): Beitrag zur Habitat-Ökologie von Zauneidechse (Lacerta agilis) und Waldeidechse (Lacerta vivipara) im nordwestdeutschen Tiefland, nebst Hinweisen zur Sicherung von Zauneidechsen-Beständen. Salamandra 15(1): 13-30.
[18] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 99.
[19] O. Aßmann (2021): Masseneiablageplatz der Zauneidechse. Feldherpetologisches Magazin 15: 52-55.
[20] Kerstin Elbing (1993): Freilanduntersuchungen zur Eizeitigung bei Lacerta agilis. Salamandra 29(3/4): 173-183.
[21] P. Graf (2007): Welchen Einfluss hat die Beschattung von Bahnböschungen durch Lärmschutzwände auf den Fortpflanzungserfolg der Zauneidechse Lacerta agilis? Diplomarbeit, Universität Bern.
[22] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 101.
[23] G. Schmitt (2017): Lebenslauf einer weiblichen Zauneidechse. Feldherpetologisches Magazin 7: 29-33.
[24] Schmitt (2017): Lebenslauf einer weiblichen Zauneidechse.
[25] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 102; Elbing (1993) Freilanduntersuchungen zur Eizeitigung bei Lacerta agilis; M. Maurer & M. Schwartze (2015): Beobachtung eines Kommentkampfes von Zauneidechsen in einem angelegten Ersatzlebensraum. Feldherpetologisches Magazin 4: 3-8; G. Schmitt (2020): Auswirkungen des heißen und trockenen Sommers 2018 auf eine Zauneidechsen-Population in einem Garten. Feldherpetologisches Magazin 13: 37-39.
[26] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 148.
[27] Ludwig Zukowsky (1938): Aus Wald und Flur. Tiere unserer Heimat. Hamburg-Bahrenfeld: Cigaretten-Bilderdienst, S. 101.
[28] Vgl. Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 146-160.
[29] Blanke (2010): Die Zauneidechse, S. 148.




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