Wasser im Garten - Pilgerstätten für Artenvielfalt
- 13. Juli
- 4 Min. Lesezeit
So einfach kommt Leben in den Garten
Egal ob Balkon, Kleingarten oder Firmengelände, von Insektentränke bis Gartenteich, Wasserstellen sind eine Bereicherung für Mensch und Tier. Besonders in den immer heißer und trockener werdenden Sommern sind viele Tiere darauf angewiesen, da natürliche Wasserstellen oftmals nicht ausreichend vorhanden sind. Selbst die kleinste Wasserstelle leistet einen wichtigen Beitrag für das Überleben unserer Gartenbewohner.
Wasserschalen aufstellen
Wie wir Menschen, benötigen auch Tiere Wasser zum Trinken oder zur Abkühlung. Bodennahe Wasserstellen erfreuen besonders Igel, aber auch Eichhörnchen oder Amseln. Während Igel es eher versteckter in der Nähe von Hecken mögen, bevorzugen Eichhörnchen und Vögel gut einsehbare Bereiche, um mögliche Feinde schnell zu bemerken. Sinnvoll ist es daher, verschiedene Wasserstellen anzubieten.
Als Tränke eignen sich am besten Blumentopfuntersetzer oder flache Schalen aus Ton. Diese werden zugleich gerne von zahlreichen Vogelarten zum Baden genutzt.
Amsel beim Baden © Maria Effenberger Kohlmeise beim Baden © Maria Effenberger Haussperlinge beim Baden © Maria Effenberger
Viele Insekten benötigen Wasser nicht nur als Durstlöscher, sondern u. a. auch zum Nestbau. Damit die Insekten bei der Wasseraufnahme nicht ertrinken, können Steine oder Stöcke in eine wassergefüllte flache Schale gelegt werden, so dass sie noch aus dem Wasser ragen. Die Zwischenräume können mit Moos ausgelegt werden. Halbschattig, an einem warmen, windgeschützten Ort aufgestellt, wird die Tränke bereits nach kurzer Zeit genutzt.
An Tränken findet sich eine Vielzahl von Gästen ein. Daher sollten diese regelmäßig gereinigt werden, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Dazu beim Wasserwechsel die Schale einfach mit einer Bürste von Schmutz und Ablagerungen befreien und anschließend mit frischem Wasser auffüllen.
FUN FACT: Einige Tiere, wie Insekten oder einige Amphibien, können Wasser riechen!
Gartenteich anlegen
Amphibien benötigen etwas mehr als eine flache Schale mit Wasser. Um Frösche in den Garten zu locken, bietet sich das Anlegen eines Gartenteichs an. Dabei sollte auf flache Uferbereiche oder unterschiedlich hohe Steine im Randbereich geachtet werden, die den Zugang erleichtern. Das Gewässer sollte nicht kleiner als 10 qm und mindestens 50 cm tief sein.
Um den Nährstoffeintrag gering zu halten, sollte der Teich einen halbschattigen Standort haben und möglichst wenig durch fallendes Laub verunreinigt werden. Auch Fische sollten nicht in den Gartenteich gesetzt werden, da sie den Laich der Amphibien fressen.
Damit sich ein funktionierendes, ökologisches Gleichgewicht im Teich einstellen kann, ist das Vorhandensein von heimischen Wasser- und Sumpfpflanzen notwendig. Für die Bepflanzung der Randbereiche eignet sich u. a. die Sumpfgladiole (Gladiolus palustris), da sie zeitweise Trockenheit und Überschwemmungen aushält. Auch Sumpfdotterblume (Caltha palustris), Blutweiderich (Lythrum salicaria) oder Wasserdost (Eupatorium cannabinum) sind für die Randbereiche des Teichs geeignet und bringen zugleich mit ihrer Blütenpracht Farbe in den Garten. Ab einer Wassertiefe von 5 - 10 cm können Wasserfeder (Hottonia palustris), Wasserminze (Mental aquatica), Froschlöffel (Alisma plantagoaquatica) oder Tannenwedel (Hippuris vulgaris) eingesetzt werden. Auch kleinwachsende Seerosen (Nymphaea candida) können in der Tiefenzone ab 50 cm Tiefe den Teich bereichern.

Wasser ist nicht gleich Mückenplage
Viele Wasserstellen im Garten bedeuten nicht zwangsläufig viele Mücken. Bei einer naturnahen Gestaltung und Bepflanzung wird das Gewässer innerhalb weniger Wochen von selbst durch Tiere wie Libellen, Gelbrandkäfer oder Wasserläufer besiedelt. Diese beseitigen zuverlässig Mückenlarven, weshalb eine Mückenplage nicht befürchtet werden muss.
Naturnahe Kleingewässer benötigen also so gut wie keine Pflege, da sie nicht „kippen“, solange sich das System selbst regulieren kann. Sollten sich in der Anfangszeit zu viele Algen bilden, können diese einfach abgefischt werden. Damit sich möglicher „Beifang“ zurück ins Wasser retten kann, die Algen zunächst am Rand liegen lassen.
Miniteich als Alternative
Wer weniger Platz im Garten hat, kann auch mit einem Miniteich Abhilfe schaffen. Dieser passt in jeden Garten und funktioniert selbst auf dem Balkon.
Und so geht’s:
Einen möglichst großen, wasserdichten Behälter (z. B. eine Zinkwanne oder eine Maurerbütt) an einem halbschattigen Standort aufstellen oder eingraben. Kies oder Sand (keine Erde!) als Pflanzsubstrat einfüllen, dann je nach Tiefe die Wasserpflanzen einsetzen. Mit Steinen können verschiedene Ebenen im Teich geschaffen werden. Einzelne Steine sollten aus dem Wasser ragen. Sie dienen als Landeplatz oder Ausstiegshilfe für die zukünftigen Gäste. Und nun: Wasser marsch (am besten Regenwasser) und fertig ist der Miniteich!

Regenwasser nutzen
Aufgefangenes Regenwasser ist ideal für die Bewässerung im Garten geeignet. So lässt sich nicht nur Wasser sparen, auch viele Pflanzen mögen abgestandenes Wasser lieber als das aus der Leitung. Regentonnen dabei unbedingt abdecken oder mit einer Ausstiegshilfe (z. B. einem rauen Brett) ausstatten, damit Tiere nicht darin ertrinken.
Auch Versickerungsbereiche für Regenwasser sind sinnvoll als gute Alternative zur Ableitung des Wassers in das Kanalsystem. Dadurch entstehende Pfützen haben eine wichtige Bedeutung für einige Tierarten. Sie liefern u. a. Baumaterial für die Niströhren von Mauerbienen oder Schwalbennester.
Wasser ist Leben
Wasserstellen sind also essenziell für das Überleben vieler Wild- und Gartentiere. So werden Gärten zu lebendigen Oasen. Gleichzeitig dienen sie als Trittsteinhabitate, die es den Tieren ermöglichen, von einer zur nächsten Wasserstelle zu wandern. Auch kleine Wasserstellen, wie Tränken oder ein Miniteich, helfen bereits einer Vielzahl von Tierarten.
Wo Wasser ist, lässt sich einiges erleben und beobachten, ob trinkende Vögel, tauchende Frösche oder tanzende Insekten – Wasser erfreut alle!
Hannah Dietterle für ArtenReich
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